Kapitel 15. Das Recht auf Entschädigung und die Illusion des Nullrisikos

Abstract: Die Ideologie der Menschenrechte hat das Recht auf Leben in das “Recht, niemals zu leiden” mutiert und lehnt die Existenz von biologischen und umweltbedingten Risiken an sich ab. Anknüpfend an das vorherige Kapitel zeigt dieser Text auf, wie das “Nullrisiko” genau die Kehrseite der Verleugnung von Strafe ist und in offenem Konflikt mit unserer DNA steht. Der Essay analysiert diese logische und juristische Verirrung, gestützt auf die Kritiken von Autoren wie Ulrich Beck, Frank Furedi und Philip K. Howard. Von der Anmaßung, die Vorhersehbarkeit der Physik auf die Medizin anzuwenden (was den Wahn der Defensivmedizin und die Flucht der Ärzte erzeugt), bis hin zu Kriminellen, die dafür entschädigt werden, dass sie sich während ihrer Straftaten verletzt haben. Das Gefühl der Fassungslosigkeit, das wir angesichts dieser Urteile empfinden, wird hier nicht als moralisches Ärgernis entschlüsselt, sondern als eine echte “biologische Rebellion”: Unser genetischer Code erleidet einen Kurzschluss angesichts eines Systems, das den Antikörper dazu zwingt, das Pathogen, das ihn tötet, finanziell zu entschädigen.