Kapitel 12. Die Ethische Erpressung und der „wohlmeinende“ Belästiger
Abstract: Nachdem im vorherigen Kapitel die Figur des Serienkriminellen skizziert wurde, befasst sich dieses Kapitel mit einer viel subtileren und weiter verbreiteten sozialen Fehlentwicklung: dem „wohlmeinenden Serienbelästiger“. Die Mechanik der Gemeinschaft zieht eine strenge topologische Unterscheidung zwischen denen, die durch Gewalt Energie erpressen, und denen, die ständig die vitale Grenze der Bürger eindringen, indem sie den Schild der moralischen Überlegenheit (NGOs, Bettler, Aktivisten) schwingen. Gestützt auf die Intuitionen von F. Nietzsche, P. Bruckner und A. Finkielkraut zeigt das Kapitel auf, wie die Ideologie der Menschenrechte eine neue Pathologie hervorgebracht hat: den „Superior Moralis“, also jenes Individuum oder jenen Richter, der, obwohl er durch seinen Schweiß und sein Studium keinen materiellen Wert geschaffen hat, einen dominanten und unantastbaren sozialen Status erlangt, indem er sich selbst zum Verteidiger des „absoluten Guten“ ernennt. Der gesunde Knoten erleidet so eine thermodynamische und juristische Erpressung: Er kann sich nicht verteidigen, indem er das Eindringen zurückweist, ohne das Stigma des „Bösewichts“ zu erleiden. Diese induzierte Lähmung verwandelt das soziale Diskontinuum in ein Minenfeld institutionalisierter Mikro-Belästigungen.