Kapitel 21. Die Anatomie der Straflosigkeit: Die Translation der Bedrohung
Abstract: Warum agiert der moderne Kriminelle, vom Mitglied der Baby-Gang bis zum Einbrecher, mit einer in vergangenen Epochen unbekannten Dreistigkeit und Arroganz? Dieses Kapitel analysiert die Psychologie der Straflosigkeit durch die Linse der Evolutionsbiologie und der Neurowissenschaften. Unsere DNA hat uns vorprogrammiert, offen feindseliges Verhalten gegenüber der Gruppe zu vermeiden, indem sie uns die urzeitliche Angst vor der sofortigen physischen Reaktion der anderen Knoten einflößt. Aber der moderne Staat hat durch die Auferlegung der immanenten Domäne der Menschenrechte diese instinktive Reaktion gesetzlich „abgeschaltet“. So entsteht die „Translation der Bedrohung“: Der Kriminelle fürchtet nicht mehr die Menge, sondern nur noch die langsame bürokratische Maschinerie des Staates. Diese Verschiebung erzeugt ein neurobiologisches Desaster. Aufgrund des Mechanismus des Delay Discounting (die zeitliche Abwertung) nimmt das Gehirn des Raubtiers die zukünftige Verurteilung nicht als biologische Gefahr wahr, sondern verarbeitet sie kalt (über System 2) als kalkuliertes Geschäftsrisiko. Gleichzeitig entwickelt der Kriminelle eine wilde Verachtung für das Opfer: Gezwungen durch das Gesetz, sein eigenes System 1 (den Selbsterhaltungstrieb) abzuschalten, um sich an ein künstliches Ökosystem anzupassen, wird die Beute vom tierischen Instinkt des Raubtiers als „Sub-Mensch“ dekodiert, was die rücksichtslose Neurochemie der Dominanz auslöst.