Kapitel 29. Die Thukydides-Inversion und die Umkehrung der Vektoren

Abstract: Welche realen Auswirkungen hat die Ideologie der positiven Menschenrechte auf das Überleben von Nationen? Dieses Kapitel antwortet darauf, indem es die Analyse in ihre reinste Form erhebt und das gegenwärtige Verfassungsparadigma mit dem obersten Gesetz des politischen Realismus vergleicht: dem Thukydides-Prinzip. Anhand des berühmten “Melierdialogs” zeigt der Essay, wie die Dynamik von Stark und Schwach nicht nur auf die Geopolitik zutrifft, sondern auch unaufhaltsam die Interaktionen zwischen dem einzelnen Individuum und dem Netzwerk regelt. In einem gesunden Ökosystem ist die Gemeinschaft das Athen, das die strukturelle Kraft besitzt, um das Pathogen zu unterwerfen. Heute jedoch hat das Dogma der immanenten Rechte eine topologische Mutation ausgelöst: Indem der abstrakte “Wert” der einzelnen Person über den der Gemeinschaft erhoben wurde, hat das Rechtssystem die “Kraft” mathematisch in die Hände des Kriminellen gelegt. So kommt es zur fatalen Thukydides-Inversion: Das serielle Pathogen (das neue Athen) handelt ungestraft und tut, was es will, während die Gemeinschaft und ihre Verteidiger (das neue Melos), die von den Gerichten bestraft werden, wenn sie es wagen, sich zu verteidigen, leiden, was sie müssen.