Kapitel 30. Das unabänderliche Dogma und die Ingenieurskunst der Fragmentierung

Abstract: Was ist der Unterschied zwischen den Gesetzen der Natur und den in internationalen Verträgen niedergeschriebenen Gesetzen? Dieses Kapitel untersucht den finalen Konflikt zwischen zwei “unabänderlichen Dogmen”. In der Umweltdomäne vermittelt die Schwerkraft unsere Handlungen und zwingt uns zu muskulärer Anstrengung; in der Sozialen Domäne hat unsere Biologie die “Zwangsgewalt” (die Bestrafung) als lebenswichtigen Vermittler kodiert, um die Gruppe zusammenzuhalten. Diese relationalen Kräfte werden durch Emotionen und Neurotransmitter (untersucht von C. De Dreu und R. Sapolsky) vermittelt, die uns antreiben, die Gemeinschaft erbittert vor Bedrohungen zu schützen. In der Natur ist ein einzelnes Pathogen im Vergleich zu einer zusammenhaltenden Gemeinschaft strukturell schwach. Der moderne Staat hat jedoch eine tödliche Umkehrung vollzogen: Durch die Ideologie der Menschenrechte hat er den abstrakten Wert der menschlichen Person über den des Netzwerks erhoben. Der Staat nutzt heute seine massive Zwangsgewalt nicht, um das Pathogen zu bestrafen, sondern um die Immunreaktion der Gemeinschaft zu blockieren und sie schwach und unterwürfig zu machen. Durch den Vergleich unserer Theorie mit Denkern wie M.A. Glendon, Z. Bauman und P. Deneen werden wir zeigen, dass der Zerfall der westlichen Gesellschaft das Ergebnis eines chemisch-juristischen Lösungsmittels ist, das dazu entwickelt wurde, das Individuum zu atomisieren und es der Herrschaft der Leeren Maschine auszuliefern.